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Ein Landkreis wird 50

Der Landkreis hieß ab 1. Juli 1972 zunächst Landkreis Neuburg a. d. Donau und trägt seit 1. Mai 1973 den Namen „Landkreis Neuburg-Schrobenhausen“. Kreissitz wurde Neuburg, gleichzeitig verlor die Stadt ihre Funktion als kreisfreie Stadt. Als „Große Kreisstadt“ erhielt sie jedoch eine Reihe von Aufgaben, die sonst dem Landkreis zustehen. Mit der Landkreisgebietsreform kam der Raum Neuburg von Schwaben nach Oberbayern.

Blick in die Erdgeschichte

Unser Landkreis vereinigt ganz unterschiedliche Landschaftsformen. Der Süden liegt in den Ausläufern des Tertiären Hügellands, das durch die Aufwölbung der Alpen entstanden ist, die im Zeitalter des Tertiär vor rund 70 Millionen Jahren einsetzte. Im Westen bilden Schotterablagerungen auf tertiärem Unterbau die Aindlinger Terrassentreppe.
Im Norden finden wir den Fränkischen Jura, der sich vor 100 bis 200 Millionen aus Ablagerungen des Jurameers bildete. Auf einem Ausläufer des Jura liegt die Neuburger Altstadt.

Prägend für die Landschaft ist für unseren Landkreis vor allem die Donau. Die Urdonau floss nördlich von Rennertshofen zunächst nach Norden zur Altmühl, später durch das Schuttertal. Vor rund 70.000 Jahren verlagerte sie nach einem Durchbruch bei Stepperg ihren Lauf weiter nach Süden und schuf so das heutige Donautal. Die Donau durchströmte mit ihren großen Wassermassen nun auch das Gebiet des heutigen Donaumooses und räumte die Landschaft großflächig aus. Vor rund 10.000 Jahren unterbrachen aufgeschüttete Niederterrassen den Zufluss der Donaumoosbäche zur Donau, die Vermoorung begann. Als größtes Niedermoor Süddeutschlands war das Donaumoos bis Ende des 18. Jahrhunderts ein weitgehend unzugänglicher Sumpf, der zu zwei Fürstentümern gehörte.


Kelten, Römer und Germanen

Unsere Gegend ist seit der Altsteinzeit besiedelt, vor allem die Flussläufe lockten Jäger und Sammler an – aber auch das Donaumoos. Zahllose Funde aus der Bronzezeit bis zur keltischen Eisenzeit bezeugen die dauerhafte Besiedlung unseres Raums. Als die Römer nach 15 v. Chr. bis zur Donau vorstießen, später ihr Gebiet nach Norden ausdehnten, entstanden Römersiedlungen wie in Burgheim oder Kastelle wie auf dem Neuburger Stadtberg. Römische Gutshöfe sind hier nachgewiesen, außerdem Römerstraßen, die römische Orte und Kastelle verbanden. Nach dem Abzug der Römer beginnt die moderne Besiedlung durch das Vordringen germanischer Stämme, die sich mit der ansässigen Bevölkerung zu den Volksstämmen der Bayern östlich und der Schwaben westlich des Lech entwickelten.

Herzöge, Landgerichte und Städte

Unser Gebiet gehörte zunächst zum Stammesherzogtum Bayern. Königsgut lässt sich hier nachweisen, Besitz der Kirche und von Klöstern und nicht zuletzt des Adels.
Allmählich bilden sich Zentren heraus, zunächst als Märkte, dann als Städte. Eine der ältesten Stadtnennungen in Bayern ist für Neuburg bereits 1214 nachgewiesen, Schrobenhausen wird 1447 zum ersten Mal als Stadt bezeichnet. Um diese Zentren bilden sich herzogliche Landgerichte, so das Landgericht Neuburg ab 1294, das Landgericht Schrobenhausen um 1421. Seit Ende des 12. Jahrhundert war unser Gebiet immer mehr in den Herrschaftsbereich der Wittelsbacher gekommen, durch Landesteilungen kam es im Jahr 1392 zum Herzogtum Bayern-Ingolstadt und im Jahr 1447 zum Herzogtum Bayern-Landshut. Nach dem Ende des Landshuter Erbfolgekrieges trennte sich die Geschichte der beiden Landgerichte für drei Jahrhunderte: Schrobenhausen kam zum Herzogtum Bayern mit der Residenzstadt München, Neuburg wurde zunächst Residenz des 1505 neu geschaffenen, zerklüfteten Fürstentums Pfalz-Neuburg, das sich nach einer wechselvollen Geschichte in die Kurpfalz und die niederrheinischen Herzogtümer Jülich und Berg ausdehnte, so dass bedeutende Städte wie Heidelberg, Mannheim und Düsseldorf zum Herrschaftsgebiet gehörten.

Donaumoos - späte Besiedelung

Bild vergrößern: Karl Theodor
Karl Theodor

Mit dem Aussterben der männlichen Linie in München im Jahr 1777 vereint Kurfürst Karl-Theodor (1724-1799), aus einer pfalz-neuburgischen Seitenlinie und bis dahin in Mannheim residierend, die wittelsbachischen Gebiete wieder in einer Hand. Mit dieser Vereinigung beginnt auch die Entwässerung und Besiedlung des Donaumooses, des größten Niedermoors Süddeutschlands – ein bis dahin zum größten Teil weitgehend unzugänglicher Sumpf. Die Besiedlung beginnt mit der Gründung von Karlskron 1791 und Karlshuld 1795. Das obere Moos wurde erst im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts erschlossen und besiedelt. Mit der Kultivierung des Donaumooses kam auch eine größere Zahl von Protestanten in unser Gebiet.

Bezirksämter - Landkreise

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde Bayern nach französischem Vorbild in „Kreise“ eingeteilt, die Vorläufer der heutigen Regierungsbezirke. Von 1817 an kamen die Landgerichte Neuburg und Schrobenhausen zum Oberdonaukreis, dem Vorläufer des heutigen Schwaben. Im Jahr 1838 trennten sich die Wege: Schrobenhausen kam zu Oberbayern, Neuburg zum Kreis „Schwaben und Neuburg“. Im Jahr 1852 war mit den Distrikten der Distriktsrat geschaffen worden, der mit – für heutige Verhältnisse – bescheidenen Selbstverwaltungsrechten ausgestattet war und als Vorläufer des heutigen Kreistags gelten kann.

Jahrhunderte lang waren Landgerichte Gerichts- und Verwaltungsbehörden in einem gewesen. Mit der Trennung von Justiz und Verwaltung im Jahr 1862 entstanden als reine Verwaltungsbehörden nun die Bezirksämter, für unseren Raum die Bezirksämter Neuburg und Schrobenhausen, für die Beurkundung von Rechtsgeschäften wurden Notariate geschaffen.

Im Jahr 1919 wurde das Wahlrecht auch auf der Ebene der Bezirke demokratisiert – auch Frauen durften nun zum ersten Mal wählen. Im Jahr 1939 wurden die Bezirksämter in Landratsämter umbenannt, aus dem Bezirksamtmann wurde der Landrat. Diese Bezeichnungen wurden nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs beibehalten.

Drei, die jeder kennt

Bild vergrößern: Franz von Lenbach - Motiv Klara von Leipzig
Franz von Lenbach malte Unternehmer und Fürsten, den Kaiser und den Papst. Besonders reizvoll sind oft die weniger bekannten Motive, wie hier Klara von Leipzig.

Viele allgemein bekannte Persönlichkeiten gingen aus dem Landkreis hervor. Stellvertretend für die Landkreisteile sollen hier drei genannt werden. Für den Neuburger Raum steht vielleicht wie kein zweiter Pfalzgraf Ottheinrich (1502-1559), der das Neuburger Schloss zu einem imposanten Residenzschloss ausbaute und Regent des Fürstentums Pfalz-Neuburg, ab 1556 Kurfürst in Heidelberg war. Für den mittleren Teil des Landkreises, das Donaumoos, steht Max von Pettenkofer (1818-1901), der als Begründer der modernen Hygiene in München tätig war, schließlich für den südlichen Landkreis der in Schrobenhausen geborene Franz von Lenbach (1836-1904), der sich vom Sohn eines Stadtbaumeisters zu einem der bedeutendsten deutschen Porträtmaler des späten 19. Jahrhunderts entwickelte.


Kreispartnerschaft mit dem Saale-Orla-Kreis

Bild vergrößern: Burg Ranis
Burg Ranis nahe Pößneck - eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten im Saale-Orla-Kreis

Bereits Tag der offiziellen Wiedervereinigung, am 3. Oktober 1990, unterzeichneten Landrat Walter Peter aus Pößneck und Landrat Richard Keßler aus Neuburg einen Partnerschaftsvertrag zwischen den beiden Landkreisen Pößneck (Thüringen) und Neuburg-Schrobenhausen.

Als nach der Gebietsreform in Thüringen am 1. Juli 1994 aus den Kreisen Pößneck, Schleiz und Lohenstein der Saale-Orla-Kreis gebildet wurde, wurde die Partnerschaft durch einen neuen Vertrag besiegelt.

Die Landkreise und ihre Gemeinden, Vereine, Schulen und Parteien sowie viele Privatpersonen knüpften seither unzählige Kontakte, um die Partnerschaft mit Leben zu erfüllen – und haben so von Anfang an zum Zusammenwachsen der beiden deutschen Staaten beigetragen.

Das Landkreis-Wappen


Wappenbeschreibung

„Geteilt; oben gespalten von Gold und Schwarz, vorne ein rot gezungter und rot gekrönter schwarzer Bärenkopf, hinten ein rot bewehrter und rot gekrönter wachsender goldener Löwe; unten in Silber zwei blaue Wellenbalken.“



Geschichte

Das Landkreiswappen vereint Wappenelemente aus den ehemals selbstständigen Landkreises Neuburg und Schrobenhausen, aus denen der heutige Landkreis im Jahr 1972 gebildet wurde. Der Bärenkopf im ersten Viertel des Wappenschildes ist aus dem Stadtwappen von Schrobenhausen übernommen. Der rot gekrönte goldene Löwe versinnbildlicht die Zugehörigkeit des nördlichen Teils des Landkreises zum von 1505 bis 1808 bestehenden wittelsbachischen Fürstentum Pfalz-Neuburg. Die Wellenbalken stellen als heraldische Fluss-Symbole die Flüsse Donau und Paar dar, die das Kreisgebiet durchfließen. Die Farbgebung des unteren Feldes in Weiß und Blau unterstreicht die historische Zugehörigkeit der Gebiete um Neuburg und Schrobenhausen zum Herrschaftsbereich der Wittelsbacher Herzöge und Kurfürsten.

Dynamischer Landkreis

Der Landkreis umfasst nach der Gemeindegebietsreform in den 1970er Jahren 18 Kommunen, davon zwei Städte und zwei Märkte. Heute ist Neuburg-Schrobenhausen ein eher kleiner, aber ein sehr dynamisch wachsender Landkreis – die Bevölkerung hat seit der Gebietsreform um rund 35 % zugenommen. Grund dafür ist seine Lage im Herzen Bayerns, eine leistungsfähige Wirtschaft mit vielen weltweit tätigen Industriebetrieben und sicher auch die Nähe zur Boom-Region Ingolstadt.

Entwicklung der Einwohner

JahrEinwohner
1970 73.438
1987 76.493
2005 91.181
2010 91.397
2015 94.654
2021 98.516

Texte: Max Direktor