Energetisch sanieren im Bestand
- Drei Besichtigungen im Landkreis: Wohngebäude aus 100 Jahren zukunftsfähig gemacht
Neuburg-Schrobenhausen – Wie kann ein älteres Wohngebäude energetisch modernisiert werden, ohne seinen Charakter zu verlieren? Und welche Lösungen eignen sich für Häuser aus unterschiedlichen Bauzeiten? Diesen Fragen widmete sich die Veranstaltungsreihe zum energieeffizienten Bauen des Klimaschutzmanagements im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen. An drei Freitagsterminen im Oktober erhielten mehr als 50 Interessierte Einblicke in unterschiedliche Sanierungsprojekte – von einem Wohnhaus aus den 1970er Jahren über ein Gebäude aus den 1950er-Jahren bis hin zu einem historischen Bauernhaus von 1909.
In Waidhofen, Ortsteil Wangen, öffnete Familie Schmerse ihr 1978 erbautes Wohnhaus für rund zwei Dutzend Interessierte. Lars und Nadine Schmerse haben das Gebäude zu einem Mehrgenerationenhaus umgebaut und energetisch modernisiert. Viele Arbeiten übernahm der Bauherr, der als Bauleiter im Hochbau tätig ist, in Eigenleistung. Wo früher Nachtspeicheröfen für Wärme sorgten, arbeitet heute eine Wärmepumpe. Ergänzt wird das Energiekonzept durch eine Photovoltaikanlage mit rund 13 Kilowattpeak, einen Batteriespeicher, eine Fußbodenheizung und Lüftungsgeräte mit Wärmerückgewinnung. Auch die Fenster wurden erneuert und die Kellerdecke gedämmt. Das Beispiel zeigt, wie sich ein älteres Gebäude durch aufeinander abgestimmte Einzelmaßnahmen Schritt für Schritt energetisch verbessern lässt, ohne es vollständig neu bauen zu müssen.
Beim zweiten Termin stand ein Mehrfamilienhaus aus den 1950er-Jahren in Neuburg im Mittelpunkt. Das Gebäude wurde architektonisch neu gedacht und aufgestockt. Vorgestellt wurden unter anderem die Dämmung von Dach, Kellerdecke und Außenwänden mit Holzfaser, neue Fenster sowie der Ersatz der bisherigen Ölheizung durch eine Wärmepumpe in Kombination mit einer Photovoltaikanlage. Eine kontrollierte Wohnraumlüftung ergänzt das Konzept. Das Projekt von Hubert Engel, der viele Arbeiten in Eigenleistungen realisierte, zeigt, wie sich ältere Gebäude durch eine umfassende Modernisierung und eine angepasste Nutzung langfristig weiterentwickeln lassen. Die fachliche Begleitung übernahm Ferdinand Mießl.
Meyer.
Den Abschluss bildete die Besichtigung des ehemaligen Bauernhauses der Familie Streber in Aresing, Ortsteil Rettenbach, Baujahr 1909. 18 Interessierte erhielten Einblicke in die Herausforderung, historische Bausubstanz zu erhalten und zugleich energetisch auf einen zeitgemäßen Stand zu bringen. Hierbei musste zunächst der Erdboden im Keller ausgeschaufelt und danach betoniert werden. Danach wurde die Kellerdeck gedämmt. Das alte Holzdach konnte erhalten bleiben, indem es aufgedoppelt wurde. Es wurden Holzfaserdämmungen an Dach und Außenwänden verwendet. In die über einen halben Meter breiten Laibungen wurden neue Fenster installiert. Die frühere Energieversorgung wurde durch Wärmepumpen für Heizung und Warmwasser in den beiden Wohneinheiten ersetzt. Eine Photovoltaikanlage mit Hausbatterie sowie zwei Wallboxen ergänzen das Energiekonzept. Die fachliche Begleitung übernahm Nachbarin Monika Meyer die bereits selbst vor der Herausforderung stand, ein ähnlich altes Gebäude zu restaurieren.
Die Beispiele machten deutlich, dass sich die Vorgehensweise je nach Alter und Zustand eines Gebäudes unterscheidet: Während bei jüngeren Bestandsgebäuden einzelne Maßnahmen sinnvoll kombiniert werden können, erfordern ältere und historische Häuser eine besonders sorgfältige Abstimmung zwischen energetischen Anforderungen, vorhandener Bausubstanz und gewünschter Nutzung. „Entscheidend ist, das jeweilige Gebäude mit seiner Bausubstanz und seinen Möglichkeiten genau zu betrachten und passende Maßnahmen und geeignete Unterstützung zu finden. Mit guter Planung lässt sich der Bestand Schritt für Schritt fit für die Zukunft machen“, erklärt Christoph Unterburger, Klimaschutzmanager am Landratsamt.
Auch 2027 sollen wieder interessierte Eigentümerinnen und Eigentümer die Möglichkeit erhalten, ihre Sanierungsprojekte im Rahmen der Veranstaltungsreihe vorzustellen. Wer sein Haus für eine Besichtigung zur Verfügung stellen und anderen Bauherren sowie Sanierungsinteressierten Einblicke in die eigenen Erfahrungen ermöglichen möchte, kann sich bei Christoph Unterburger – Telefon: 08431/57-184, E-Mail: klimaschutz@neuburg-schrobenhausen.de – melden.
Familie Enge in Neuburg