Fledermäuse im Landkreis
Ökologie und Lebensweise
Fledermäuse sind heimische Wildtiere und die einzigen Säugetiere, die aktiv fliegen können. In Deutschland leben 25 Fledermausarten, die meist nachts unterwegs sind und sich vor allem von Insekten ernähren. In unserem Landkreis sind davon bereits 18 Arten nachgewiesen. Mit ihrer Echoortung finden sie sich selbst in völliger Dunkelheit zurecht und jagen Mücken, Käfer und Nachtfalter.
Tagsüber ruhen Fledermäuse in sogenannten Quartieren, zum Beispiel in Baumhöhlen, Dachstühlen, alten Gebäuden oder hinter Fassadenverkleidungen. Je nach Jahreszeit nutzen sie unterschiedliche Quartiere: Im Sommer ziehen sie ihre Jungen groß, im Winter halten sie Winterschlaf in frostfreien Verstecken wie Kellern, Höhlen oder Stollen.
Fledermäuse sind unauffällig, nützlich und besonders schutzbedürftig. Der Verlust von Lebensräumen und der Rückgang von Insekten setzen ihnen zu. Deshalb stehen alle heimischen Fledermausarten unter strengem Schutz. Mit Rücksicht und einfachen Maßnahmen kann jede und jeder dazu beitragen, diese besonderen Tiere zu erhalten.
Ansprechpartner
Unsere ehrenamtlichen Fledermausberater des Bayerischen Landesamts für Umwelt für den Landkreis Neuburg-Schrobenhausen sind:
Doris Peter (Mail: dorispeter-fledermausschutz@gmx.de)
Sebastian Schmitt (Mail: Sebastian-neuburg@gmx.de)
Pflege von Fundtieren:
Andrea Munzinger (Mail: a.munzinger@t-online.de)
Man darf sich gerne melden, wenn man Quartiere kennt, Fragen hat oder im Fledermausschutz mitmachen will. Mehr Infos sind im Arbeitskreis Fledermäuse Neuburg-Schrobenhausen zu finden.
Fun Facts über Fledermäuse
Hier ein paar interessante und lustige Fakten über unsere Fledermäuse:
| Fledermäuse sehen besser als ihr Ruf | Sie sind nicht blind. Viele Arten sehen gut, orientieren sich aber zusätzlich mit Echoortung. |
| Fledermäuse als natürliche Schnaken-Abwehr | Eine einzige Fledermaus kann mehrere hundert Mücken und andere Insekten in einer Nacht fangen. |
| Fledermäuse schlafen kopfüber | Diese Haltung erleichtert ihnen das Abfliegen und spart Energie. Zum Pinkeln drehen sie sich aber um. |
| Fledermäuse werden erstaunlich alt | Manche heimischen Arten können über 30 Jahre alt werden. |
| Fledermäuse sind sehr konservativ | Viele Fledermäuse kehren jedes Jahr in dasselbe Sommer- oder Winterquartier zurück. |
| Jede Art hat ihre eigene Sprache | Anhand der Echoortungsrufe können Fachleute die Arten unterscheiden. |
| Fledermäuse sind echte Energiesparer | Im Winterschlaf verbrauchen sie nur einen Bruchteil ihrer normalen Energie. |
| Fledermäuse sind Teamplayer | In Wochenstuben wärmen sich die Tiere gegenseitig. |
Schutzstatus und Umgang mit Quartieren
Aufgrund ihrer Seltenheit sind alle Fledermausarten in Deutschland streng geschützt. Einige Arten sind zusätzlich nach der europäischen FFH-Richtlinie geschützt. Auf den Roten Listen Deutschlands und Bayerns ist vermerkt, wie selten die einzelnen Arten sind.
Fledermäuse nutzen Gebäude und Bäume häufig als Ruhe-, Fortpflanzungs- oder Winterquartiere. Dachstühle, Fassadenverkleidungen, Rollladenkästen, Spalten im Mauerwerk sowie Baumhöhlen, Rindenspalten und Totholzstrukturen bieten ihnen geeignete Lebensräume. Bauliche Maßnahmen, Abrissarbeiten oder die Fällung von Habitatbäumen können daher unmittelbar Auswirkungen auf Fledermäuse haben.
Besonders kritisch sind Eingriffe während der Fortpflanzungszeit im Sommer sowie während des Winterschlafs. In diesen Phasen können Fledermäuse Quartiere nicht oder nur eingeschränkt verlassen. Störungen, Verschlüsse von Zugängen oder der Verlust von Quartieren können zum Tod einzelner Tiere oder ganzer Kolonien führen. Da Fledermäuse in der Regel nur ein Jungtier pro Jahr aufziehen, können sich diese Verluste langfristig auf die Bestände auswirken.
Alle heimischen Fledermausarten unterliegen dem strengen Schutz des Bundesnaturschutzgesetzes (§ 44 Abs. 1). Es ist verboten, Fledermäuse zu töten, zu verletzen oder erheblich zu stören sowie ihre Fortpflanzungs- und Ruhestätten zu beschädigen oder zu zerstören. Dies gilt unabhängig davon, ob die Quartiere aktuell besetzt sind.
Bei geplanten Abriss-, Bau- oder Fällmaßnahmen ist daher frühzeitig zu prüfen, ob Fledermäuse betroffen sein können. Gegebenenfalls sind fachliche Untersuchungen, Schutzmaßnahmen oder Ersatzquartiere erforderlich. Eine rechtzeitige Abstimmung mit der zuständigen Naturschutzbehörde hilft, Konflikte zu vermeiden und sowohl Bauvorhaben als auch den Artenschutz rechtssicher umzusetzen.
Grundlegende Hinweise zum Thema sind hier zu finden:
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Gebäudebewohnende Tierarten des Landkreises Neuburg-Schrobenhausen
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Leitfaden zur Sanierung von Fledermausquartieren im Alpenraum Stand Mai 2006
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Vermeidungs-, CEF- und FCS-Maßnahmen für vorhabenbedingt zerstörte Fledermausbaumquartiere der Koordinationsstellen für Fledermausschutz Bayern Stand Mai 2021
Wichtige Themen
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Arbeitskreis Fledermäuse Neuburg-Schrobenhausen: Vorstellung, Aktivitäten zum Mitmachen, Quartiere melden
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Quartiere schaffen: Fledermaus-Kasten bauen, Neuschaffung von Einflugöffnungen
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Fledermausfreundliche Gartengestaltung: Prinzipien - Strukturreichtum fördert Fledermäuse, umso mehr Insekten desto besser, auf Licht verzichten
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Literatur:
Fledermäuse - Lebensweise, Arten und Schutz
Fledermausquartiere an Gebäuden - Erkennen, erhalten, gestalten
Mehr Lebensraum für das Graue Langohr - Ein Leitfaden zur Flurbereicherung
Nachtleben im Garten - Fledermäuse, Nachtfalter und Glühwürmchen willkommen!