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Dynamisierung der Donauauen

… zwischen Neuburg und Ingolstadt

Bedrohung unserer Auen

Die Donau durchfließt den gesamten Landkreis von West nach Ost über Bertoldsheim nach Bergheim. Bis 1967 war die Donau ein ungebändigter Fluss mit zahlreichen Seitenarmen, Inseln, Altwassern, Hartholzauen, Weichholzauen, Bruchwäldern, Brennen und Röhrichten. Durch flussbauliche Maßnahmen haben sich die hydrologischen und ökologischen Verhältnisse sowie das Landschaftsbild der Donauaue stark verändert.

Durch den Bau der Stauwehre wurde das gesamte Fließgewässer und die Auen erheblich verändert. Die Fließgeschwindigkeit wurde verringert, der Transport von Kies und Sand findet kaum mehr statt, die Wasserqualität nahm ab, die Durchgängigkeit für Gewässerlebewesen ist nicht mehr gegeben. Beidseitige Hochwasserschutzdämme schützen das Hinterland vor Überschwemmungen. Durch Entwässerungs- und Begradigungsarbeiten wurden die flussbegleitenden Moore, Auwälder und Altwasserschlingen urbar gemacht. Nur noch die zwischen den Hochwasserschutzdämmen gelegenen Auwaldbereiche unterliegen einer Fließgewässerdynamik. In den Donauauen trifft man heute nur noch auf Reste der ehemaligen Feucht- und Trockenbiotope. Die besondere Bedeutung des Artenreichtums liegt nun vor allem auf den ökologischen Sonderstandorten, wie Brennen, Trockenkiefernwäldern, Altwässern und Auwäldern.

Ziele:

Um wenigstens in Teilbereichen wieder „natürliche“ Auenbereiche zu schaffen, die Verzahnung des Flusses mit der Aue zu verbessern (Quervernetzung) und die biologische Durchgängigkeit der Donau wiederherzustellen, wurde das Projekt „Dynamisierung der Donauauen“ ins Leben gerufen.

Es besteht aus drei Teilen: Umgehungsgewässer, Ökologische Flutungen, Niedrigwassermanagement

  • Langfristige Erhaltung der Donauaue als naturraumverbindende Stromaue
  • Erhalt und Entwicklung der Auwälder, Altwässer und Feuchtwiesenreste und der ökologisch wertvollen Trockenbiotope der Donauauen
  • Herstellung von Verbundstrukturen zwischen den ökologisch wertvollen Biotopen
  • Wiederherstellung der ursprünglichen Fließgewässerdynamik in den Auwäldern
  • Verringerung der Hochwasserproblematik
  • Förderung einer standortgemäßen naturnahen Waldwirtschaft
  • Langfristige Erhaltung der Donauaue als naturraumverbindende Stromaue

Umgehungsgewässer:

In den rechten Stauhaltungsdamm der Staustufe Bergheim wurde ein Ausleitungsbauwerk mit Fischaufstieg für eine Wassermenge von max. 5 m³/s integriert. Es leitet Donauwasser in ein zum Teil neu errichtetes Gewässer. Dieses fließt durch den angrenzenden Auwald, überquert mittels einer Trogbrücke den Längenmühlbach und schließt an den Zeller Kanal an, der in die Donau mündet. Zusätzlich wurden neue Anbindungen an die Donau und den Längenmühlbach realisiert. Dadurch wird die biologische Durchgängigkeit an der Staustufe Bergheim wiederhergestellt, die Donau besser mit dem Auwald vernetzt und ein neuer, acht Kilometer langer Fließgewässerlebensraum, als Ausgleich für den verlorenen Fließcharakter in den Stauhaltungen an der Donau, geschaffen.

Ökologische Flutungen:

Westlich der Staustufe Bergheim wurde ein bestehendes Streichwehr im Stauhaltungsdamm so umgebaut, dass bereits bei kleineren Hochwassern über 100 ha Auwald geflutet werden können. Über dieses Ausleitungsbauwerk können ab einer Wassermenge von 600 m³/s in der Donau bis zu 25 m³/s in die Aue abgeleitet werden. Diese fließen zuerst im Längenmühlbach ab und werden mit Hilfe eines Drosselbauwerks in den Auwald geleitet. Über insgesamt drei Stellen fließt das Wasser schließlich wieder in die Donau zurück. Durch diese ökologischen Flutungen wird eine naturnahe Dynamik im Bereich des Umgehungsgewässers erzeugt. Da im gefluteten Bereich auch die forstliche Nutzung eingestellt wurde, kann sich wieder ein natürlicher Auwald mit der typischen Pflanzen- und Tierwelt entwickeln.

Niedrigwassermanagement:

Im Bereich der aufgestauten Donau oberhalb der Staustufe Ingolstadt steht das Grundwasser hoch an. Um die ursprünglich vorhandenen natürlichen Grundwasserschwankungen nachzubilden, sollte hier in Trockenzeiten der Grundwasserspiegel abgesenkt werden. Dazu wurde der Zeller Kanal im östlichen Bereich über ein neues ca. 1,5 Kilometer langes Verbindungsgewässer, das in einem bereits existierenden Grabensystem verläuft, an den bestehenden rechten Entwässerungsgraben der Staustufe Ingolstadts angebunden. Zur Steuerung wurden mehrere Absperrbauwerke im Zeller Kanal und ein neues Sielbauwerk im Stauhaltungsdamm errichtet.

Historie:

Seit 1995 Beginnende Planung und Vorbereitung des Großprojekts
2005 Planfeststellungsbeschluss
2007 - 2010 Baumaßnahmen
Seit 2011 Start der ökologischen Flutungen
2007 - 2014 Monitoring über MONDAU I Projekt
2013 - 2023 Wiederholung des Monitorings über MONDAU II Projekt
2024 BfN Schriftenreihe 717 Veröffentlichung der Ergebnisse 


 

… zwischen Marxheim und Stepperg

Konnektivität:

Konnektivität:

Das geplante Projekt wurde bereits als Schlüsselprojet Nr. 8 aus dem Masterplan zur Entwicklung von Projekten in der Europäischen Donauraumstrategie entwickelt und hat auch die Umsetzung der europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) und des Flora Fauna Habitat Managementplans (FFH MP) zum Ziel.

Durch die beabsichtigten Maßnahmen zur Dynamisierung der Donauauen, wie die Herstellung der Konnektivität der vorhandenen Auengewässer zwischeneinander und mit der Donau, dem Einbringen von Störelementen wie Totholz oder Steinblöcke zur Gewässerentwicklung und natürlich der Ausleitung von Donauwasser im Bereich Marxheim in die Auenfläche, würde eine Durchgängigkeit für aquatische Lebewesen geschaffen werden.

Lebensraum:

Daneben kann der noch vorhandene Lebensraum Aue revitalisiert werden und somit zur Wiederansiedlung bereits verdrängter, auentypischer Arten beitragen, beziehungsweise die Populationen gefährdeter Arten stabilisieren. Zudem haben Auendynamisierungen nicht nur Vorteile für die dortige Flora und Fauna inne, solche Lebensräume leisten auch Ökosystemdienstleistungen, wie etwa der Grundwasserreinigung oder tragen durch Zurückhaltung von Wasser zum Hochwasserschutz bei. Des Weiteren bergen intakte Lebensräume mit ihrer Art- und Formenvielfalt ein Erholungspotenzial für Bürgerinnen und Bürger.

Ziele:

  • Verbesserung der ökologischen Durchgängigkeit
  • Schaffung von Fluss-Ersatzlebensräumen
  • Vernetzung der Donau mit den bestehenden Auengewässern
  • Verbesserung der Durchgängigkeit und Vernetzung der vorhandenen Auengewässer
  • Wiederanbindung von Altwassern und Flutrinnen
  • Förderung der Dynamik und Gewässerentwicklung in der Donau und den Auegewässern
  • Wiedervernetzung von Fluss und Aue, Wiederherstellung eines Teiles der Wasserspiegeldynamik
  • Verbesserung der Schwankungsbreite der Grundwasserstände

Vorgeschlagene / geplante Maßnahmen:

  • Schaffung von Ausleitungen und Wiedereinleitungen mit natürlich schwankenden Abflüssen (Ökologische Flutungen)
  • Schaffung von durchgängigen Fließgewässern (nördlich und südlich) zur Umgehung der Staustufe Bertoldsheim
  • Wiederanschluss von Altgewässern und Flutrinnen
  • Redynamisierung und Strukturverbesserung der Donau (Entfernung der Böschungssicherung und Einbringen von Störelementen)
  • Redynamisierung und Strukturverbesserung der Auelebensräume
  • Entwicklung standortangepasster Nutzungsformen im Projektgebiet (Einstellen der Forstwirtschaft, Entfernung nicht heimischer Pflanzen)
  • Bessere Anbindung der Friedberger Ach im Unterwasser
  • Entfernung von Wegen, Durchlässen und Aufschüttungen etc.
  • Biotopschaffung für Gelbbauchunke und Kammmolch