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Datum: 24.06.2026

Erster Borna-Virus-Fall im Landkreis: Person verstorben - keine erhöhte Gefahr für die Bevölkerung

Im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen ist erstmals eine Infektion mit dem seltenen, aber lebensbedrohlichen Borna Disease Virus 1 (BoDV-1) nachgewiesen worden. Die betroffene Person ist an den Folgen der Infektion verstorben. Die Erkrankung wurde im Rahmen einer Obduktion festgestellt. Aus Rücksicht auf die Angehörigen werden keine weiteren Angaben zur verstorbenen Person veröffentlicht.

Nach dem aktuellen Kenntnisstand besteht für die Bevölkerung keine erhöhte Gefährdung. Es handelt sich um einen äußerst seltenen Einzelfall. Weitere Erkrankungen sind im Landkreis derzeit nicht bekannt. Das Virus wird unter natürlichen Bedingungen nicht von Mensch zu Mensch übertragen. Deshalb ist auch keine Nachverfolgung von Kontaktpersonen erforderlich.

„Der Todesfall ist tragisch und wir verstehen, dass er Fragen aufwirft. Nach aktuellem Kenntnisstand handelt es sich jedoch um einen äußerst seltenen Einzelfall. Für die Bevölkerung besteht derzeit kein Anlass zu besonderer Sorge. Wichtig ist, die allgemeinen Vorsichtsmaßnahmen im Umgang mit Spitzmäusen einzuhalten“, erklärt das Gesundheitsamt.

Das Gesundheitsamt untersucht derzeit, auf welchem Weg sich die verstorbene Person infiziert haben könnte und ist in engem Austausch mit dem Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL).

Seit Einführung der Meldepflicht am 1. März 2020 wurden dem Robert Koch Institut (RKI) pro Meldejahr bis zu sieben akute Fälle einer BoDV-1 Enzephalitis gemeldet. Deutschlandweit sind bislang etwas mehr als 60 Infektionen registriert worden. Mehr als 90 Prozent der Fälle traten in Bayern auf. Das Virus wurde ursprünglich als Erreger einer Tierseuche bei Pferden, Schafen und anderen Säugetieren beschrieben. Erst seit 2018 ist bekannt, dass es auch beim Menschen schwere, meist tödlich verlaufende Gehirnentzündungen verursachen kann.

Das natürliche Virusreservoir ist die Feldspitzmaus (Crocidura leucodon). Infizierte Tiere scheiden das Virus unter anderem über Kot, Urin und Speichel aus, ohne selbst zu erkranken. Nach aktuellem Forschungsstand kann eine Übertragung auf den Menschen durch den Kontakt mit Feldspitzmäusen oder deren Ausscheidungen erfolgen. Der genaue Übertragungsweg ist bislang jedoch nicht bekannt und Gegenstand der Forschung. Nach Angaben des Friedrich-Loeffler-Instituts kommt das Virus in Feldspitzmäusen in weiten Teilen Bayerns vor.

Das LGL und weitere Fachbehörden empfehlen grundsätzlich, den Kontakt mit Spitzmäusen und deren Ausscheidungen zu vermeiden. Dabei sollten folgende Vorsichtsmaßnahmen beachtet werden: 

• Lebende oder tote Spitzmäuse nicht mit bloßen Händen berühren. Hinweise zur sicheren Entsorgung toter Tiere sind auf der Internetseite des LGL verfügbar.

• Werden Spitzmäuse im Wohn- oder Arbeitsumfeld festgestellt, sollten mögliche Nahrungsquellen beseitigt werden. Dazu gehören beispielsweise im Freien abgestelltes Hunde- oder Katzenfutter sowie Komposthaufen oder andere organische Abfälle.

• Orte, an denen Kontakt mit Ausscheidungen von Spitzmäusen möglich ist, sollten möglichst gemieden werden. Müssen dort Arbeiten durchgeführt werden – insbesondere mit Staubentwicklung –, sollten geeignete Hygiene- und Schutzmaßnahmen eingehalten werden. Dazu zählen beispielsweise Schuppen, Garagen, Hecken, Steinmauern oder Straßenböschungen.

• Spitzmäuse sollten nicht als Haustiere gehalten werden.

Empfehlungen für die Beseitigung toter Spitzmäuse und die Reinigung

Wird im Wohn- oder Arbeitsumfeld eine tote Spitzmaus gefunden – etwa nachdem sie von einer Katze ins Haus gebracht wurde –, sollte sie möglichst rasch und sicher beseitigt werden. Kontaminierte Flächen sollten anschließend mit einem handelsüblichen Haushaltsreiniger sorgfältig gereinigt werden.

Dabei empfiehlt das LGL folgende Maßnahmen:

• Einmalhandschuhe tragen und bei Staubentwicklung möglichst einen eng anliegenden Mund-Nasen-Schutz oder eine FFP2- beziehungsweise FFP3-Maske verwenden.

• Die tote Spitzmaus und mögliche Ausscheidungen zunächst mit einem handelsüblichen Reinigungs- oder Desinfektionsmittel besprühen, um Staubentwicklung zu vermeiden.

• Die Spitzmaus mit einer über die Hand gestülpten Plastiktüte aufnehmen, die Tüte verschließen und über den Restmüll entsorgen.

• Nach staubigen Arbeiten duschen, die Haare waschen und getragene Kleidung waschen.

Woran erkennt man eine Feldspitzmaus?

Spitzmäuse unterscheiden sich von echten Mäusen durch ihre deutlich spitzere Schnauze, ihre kleinen Augen und Ohren sowie ihren charakteristischen Geruch. Die Feldspitzmaus ist insgesamt selten. Sie lebt vor allem auf Brachflächen, an Straßenböschungen, Steinmauern oder unter Hecken und ist überwiegend nachtaktiv. Kennzeichnend ist ihre zweifarbige Färbung mit einer graubraunen Oberseite und einer weißen Unterseite. 

Weitere Informationen bietet das LGL im Internet unter www.lgl.bayern.de/bornavirus sowie in seinem Flyer unter https://www.lgl.bayern.de/gesundheit/infektionsschutz/infektionskrankheiten _a_z/borna/doc/flyer_informationen_infektionen_BoDV1.pdf. Besorgte Bürgerinnen und Bürger können sich außerdem per E-Mail an servicestelle@lgl.bayern.de wenden.