Allen Unkenrufen zum Trotz
Die Gelbbauchunke (Bombina variegata) mit ihren golden gesprenkelten Augen und den herzförmigen Pupillen zu entdecken, ist ein eindrucksvolles Naturerlebnis. Gleichzeitig wird diese Begegnung immer unwahrscheinlicher, denn selbst in ihrem traditionellen Vorkommensgebiet in Bayern nimmt ihr Bestand stetig ab. Umso bedeutender ist das Engagement vieler ehrenamtlicher Helferinnen und Helfer, die sich mit großem Einsatz für den Erhalt geeigneter Lebensräume einsetzen und damit der Art eine Perspektive geben – trotz aller schlechten Vorzeichen.
Ursprünglich besiedelte sie dynamische Flussauen mit temporären, vegetationsarmen Kleingewässern, die durch regelmäßige Hochwasser entstanden. Da diese Primärhabitate heute weitgehend verloren gegangen sind, nutzt die Art vor allem Sekundärhabitate im Wald, wie wassergefüllte Fahrspuren und kleine Tümpel, die ähnliche Bedingungen bieten. Doch auch diese ephemeren Kleingewässer werden immer rarer.
Das Projekt
Die Gelbbauchunke zählt zu den am stärksten gefährdeten Amphibienarten Deutschlands. Besonders der Verlust ihrer heute typischen Lebensräume – flache, zeitweise wasserführende Kleingewässer wie tiefe verdichtete Pfützen, kleine Wiesengräben, Fahrspuren oder Tümpel – hat in den vergangenen Jahrzehnten zu einem deutlichen Rückgang der Bestände geführt.
Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, wurde von 2016 bis 2021 das Artenschutzprojekt „Allen Unkenrufen zum Trotz“ ins Leben gerufen. Gemeinsam mit sechs oberbayerischen Landkreisen setzte sich der BUND Naturschutz für die Verbesserung, Neuschaffung und Vernetzung geeigneter Lebensräume ein. Ziel war es, bestehende Vorkommen der Gelbbauchunke langfristig zu sichern und den Austausch zwischen einzelnen Populationen wieder zu ermöglichen.
Zu den wichtigsten Maßnahmen gehörten die Anlage und Pflege von Kleingewässern, die Schaffung von Trittsteinbiotopen und Wanderkorridoren sowie die Zusammenarbeit mit Forstbetrieben, Landwirten, Grubenbetreibern und vielen ehrenamtlich Engagierten. Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der Einbindung der Bevölkerung und der Sensibilisierung für die Bedeutung temporärer Kleingewässer als wertvolle Lebensräume für seltene Tierarten.
Das Projekt hat gezeigt, dass der Schutz der Gelbbauchunke nur durch die enge Zusammenarbeit von Behörden, Naturschutzverbänden, Flächeneigentümern und Ehrenamtlichen erfolgreich umgesetzt werden kann. Die im Projekt gewonnenen Erfahrungen dienen heute als wichtige Grundlage für den weiteren Amphibienschutz und können auch auf andere Regionen übertragen werden.
Gefördert wurde das Projekt im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) und durch den Bayerischen Naturschutzfonds. Die Trägerschaft hatten die Landkreise Altötting, Freising und Neuburg-Schrobenhausen sowie der BUND Naturschutz in Bayern e.V. (BN) mit sechs Kreisgruppen in Altötting, Erding, Freising, Mühldorf a. Inn, Neuburg-Schrobenhausen und Pfaffenhofen a. d. Ilm übernommen. Insgesamt flossen in fünf Jahren 670.000 Euro in verschiedene Maßnahmen zum Schutz der Gelbbauchunke.
Das Projekt „Allen Unkenrufen zum Trotz“ wurde 2020 als offizielles Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet. Die Ehrung würdigt den erfolgreichen Einsatz von Landkreisen, Naturschutzverbänden und Ehrenamtlichen für den Schutz und die Förderung der stark gefährdeten Gelbbauchunke sowie ihrer Lebensräume.
Unkenpaten
Im Rahmen des Projekts wurde ein Netz von Betreuern und Betreuerinnen aufgebaut, die Gelbbauchunken-Biotope regelmäßig kontrollieren. Die sogenannten "Unkenpaten" absolvierten dafür eine fundierte Ausbildung. Auch nach Projektende lebt das Netzwerk weiter, die einzelnen Gelbbauchunken-Vorkommen werden in unserem Landkreis von Unkenpaten überwacht.
Unkenpate werden?
Die Bayerische Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege (ANL) bietet in Zusammenarbeit mit dem BUND Naturschutz etwa alle zwei bis drei Jahre Unkenpaten-Kurse an. Hier der Kontakt für Interessierte: naturschutz-suedbayern@bund-naturschutz.de
Außerdem besteht im Landkreis die einfache Möglichkeit sich in das Thema einzulernen, indem man sich an die bestehenden Ehrenamtlichen hält und anfangs mitläuft. Hierfür gerne bei der unteren Naturschutzbehörde melden: naturschutz@neuburg-schrobenhausen.de.
Typische Maßnahmen im Landkreis
Die Gelbbauchunke profitiert besonders von einer gewissen Dynamik im Lebensraum: Ihre Gewässer sollten regelmäßig neu entstehen oder durch Pflege in einem frühen Entwicklungsstadium gehalten werden, denn sie ist eine typische Pionierart. Folgende Maßnahmen sind besonders wichtig:
- Kleine Wiesengräben (keine Verrohrung) und Quellbächen mit Gumpen erhalten
- Anlage und Pflege von Kleingewässern als Sekundärlebensraum
- Offenhaltung besonnter Laichgewässer
- Vernetzung bestehender Lebensräume
- Naturschutzfachliche Betreuung von Kiesgruben und Forstflächen
- Fahrspuren von Forstarbeiten nicht einebnen oder verfüllen
- Verdichtung bestehender Gewässermosaike erneuern durch Fahren mit schweren Maschinen
- Regelmäßiges Monitoring der Bestände und Lebensräume
- Kommunikation mit den wichtigen Beteiligten im Unkenschutz
Bestandsentwicklung im Landkreis
Für den Landkreis Neuburg-Schrobenhausen zeigt sich insgesamt eine sehr positive Bestandsentwicklung der Gelbbauchunke. Während Anfang der 2000er-Jahre die Populationen einen kritischen Tiefpunkt erreichten und 2005 nur noch wenige, oft überalterte Bestände mit geringer Fortpflanzung vorhanden waren, konnten durch gezielte Artenhilfsmaßnahmen seit 2006 deutliche Erfolge erzielt werden. Die Zahl der bekannten Vorkommen stieg von 76 im Jahr 2003 auf 90 im Jahr 2010 und erreichte 2025 rund 190 Vorkommen, die überwiegend regelmäßig zur Fortpflanzung genutzt werden. Gleichzeitig nahm die geschätzte Zahl adulter Tiere von etwa 2.800 (2010) auf rund 4.500 Tiere (2025) zu.
Besonders erfolgreich waren die Maßnahmen zur Anlage und Pflege von Kleingewässern sowie die Förderung von Fahrspuren und anderen Pionierlebensräumen. Trotz witterungsbedingter Schwankungen – insbesondere in trockenen Jahren – konnten die Bestände langfristig stabilisiert und ausgeweitet werden. Die Unken unterstützen diesen Trend durch ihre lange Laichzeit, denn sie können sich von Ende April bis Anfang August fortpflanzen. Die Gelbbauchunke gilt damit im Landkreis heute als Beispiel für einen erfolgreichen Artenschutz, der auf die enge Zusammenarbeit von Naturschutz, Forstwirtschaft, Abbauunternehmen, Behörden und Ehrenamtlichen zurückzuführen ist.
Wichtige Infos
- Film zum Projekt: Allen Unkenrufen zum Trotz
- BUND Website
- FVA, DBU: Entwicklung nachhaltiger Schutzkonzepte für die Gelbbauchunke (Bombina variegata L.) in Wirtschaftswäldern
- Pia und die wilde Natur zu Gast in unseren Unkenbiotopen: Wunderwelt Pfütze
- Film von Günter Heidemeier: Amphibien in der Kulturlandschaft - Pionierarten - die heimlichen Verlierer; Ausschnitt zur Gelbbauchunke