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Sonnleitenprojekt

Das Bayern-Netz-Natur-Projekt „Sonnenleiten an der Donau“ des Landkreises Neuburg-Schrobenhausen und der Stadt Ingolstadt, mit der Laufzeit 2019 bis 2027, verfolgt das Ziel die trockenen Lebensräume, auch Magerrasen genannt, entlang der Donau und im Wellheimer Trockental zu vernetzen und deren Zustand zu verbessern.

Auf den enorm artenreichen Magerrasen im Projektgebiet konnten sich nach der letzten Eiszeit Pflanzen aus den Alpen und dem mediterranen Raum angesiedeln. Durch regelmäßige Beweidung und Mahd blieben einige Flächen frei von Gehölzen und die seltenen Tier- und Pflanzenarten konnten hier überdauern. Der Magerrasen ist ein extremer Standort, trocken, nährstoffarm und heiß. Wer hier lebt, muss an diese Lebensbedingungen angepasst sein. Bis heute können auf manchen Magerrasen im Projektgebiet über 50 Pflanzenarten auf wenigen Quadratmetern gefunden werden, auch zahlreiche Insekten finden hier ein Zuhause. Viele Arten der Magerrasen sind heute gefährdet.

Im Projektgebiet kommen die Magerrasen in drei verschiedenen Landschaftstypen vor: auf den Leiten (Hänge mit felsigem Untergrund), den Brennen (trockene Kiesbänke in den Donauauen), sowie den künstlich geschaffenen Dämmen entlang der Donau.

Neben der richtigen Pflege ist es das Ziel des Sonnenleiten-Projekts, die Magerrasen zu erweitern und einen Biotopverbund zwischen den Flächen zu schaffen.

Leiten, Brennen und Dämme im Projektgebiet: Lebensräume für Tier- und Pflanzenarten der Magerrasen

Bewohner der Magerrasen: Blauflügelige Ödlandschrecke (links), Pyramiden-Hundswurz (rechts)

Flächenpflege

a)       Beweidung

Die Magerrasen auf den Donauleiten und im Wellheimer Trockental werden vorwiegend durch Beweidung gepflegt, ebenso die Donaudämme. Vor allem Schafe und Ziegen kommen dabei zum Einsatz, auf wenigen Flächen auch Pferde und Rinder. Auf den steilen Flächen ist die Pflege durch die Weidetiere eine gute Alternative zur Mahd.  Die Tiere helfen als natürliche Rasenmäher bei der Pflege und haben dabei unterschiedliche Vorlieben. Während Ziegen die neu aufkommenden Sträucher abfressen und damit dafür sorgen, dass die frisch entbuschten Stellen nicht gleich wieder zuwachsen, fressen Schafe, Pferde und Rinder vor allem Gräser und Kräuter. Ein weiter Vorteil der Beweidung gegenüber der Mahd ist, dass die Tiere Samen und Insekten im Fell und über den Kot zwischen den Flächen transportieren. So kommt es zu einem Austausch von Genmaterial und der Verbreitung von Arten. Da die Flächen oft isoliert voneinander in der Landschaft liegen, ist ein solcher Austausch besonders wichtig für die Artenvielfalt. 

Bild vergrößern: Beweidung im Wellheimer Trockental © Matthias Schwark
Beweidung im Wellheimer Trockental


b)       Mahd

Trotz der positiven Effekte einer Beweidung, ist auf manchen Flächen eine regelmäßige Mahd als Pflege besser geeignet. Ein Grund hierfür ist, dass seltene Pflanzenarten beim Mähen einfacher umfahren und stehengelassen werden können. So wird gewährleistet, dass diese Pflanzen bis zur Samenreife auf den Flächen verbleiben und sich dort vermehren können. Vor allem auf den Donaubrennen ist eine Beweidung schwer umsetzbar, da die Flächen oft sehr klein sind und weit voneinander entfernt liegen. Gemäht werden im Projektgebiet aktuell die Brennen in den Donauauen und einige Dämme. Um die Insekten auf den Flächen zu schonen, wird hierfür ein Balkenmäher verwendet.

Bild vergrößern: Mahd einer Donaubrenne mit einem Balkenmäher © Matthias Schwark
Mahd einer Donaubrenne mit einem Balkenmäher
Bild vergrößern: Brenne im Auwald südlich der Donau © Matthias Schwark
Brenne im Auwald südlich der Donau


c)       Entbuschung

Flächen, die neu in das Projekt aufgenommen werden, sind häufig mit Sträuchern bewachsen und müssen zunächst einmal entbuscht werden. Nur so kann die Sonne wieder die Pflanzen auf dem Boden erreichen und die Flächen voll erwärmen.

Erfolgt anschließend eine regelmäßige Beweidung, verbeißen die Tiere, besonders die Ziegen, die neu aufkommenden Sträucher und verhindern so ein erneutes Zuwachsen der Fläche. Auch durch eine regelmäßige Mahd können die Flächen offengehalten und die Entwicklung der Magerrasen gefördert werden.

Auch im Randbereich der Magerrasen ist es von Zeit zu Zeit nötig Sträucher zu entfernen, die bei der Beweidung stehen bleiben, oder von angrenzenden Waldflächen in den Magerrasen wachsen. 

Aktuelles

a)       Entbuschungen

In den Donauauen zwischen Neuburg und Ingolstadt fanden im Januar 2024 Maßnahmen zur Wiederherstellung von ehemaligen Brennen statt. Dabei wurden auf insgesamt 1,5 ha Gehölze entfernt und die Flächen anschließend mit einem Forstmulcher bearbeitet, um zu verhindern, dass Bäume und Sträucher wieder aus dem Stock austreiben. Bereits im Sommer 2024 wurden die Flächen in die jährliche Pflegemahd aufgenommen. Um die Ansiedlung von Magerrasenarten auf den neu geschaffenen Flächen zu beschleunigen, fand teilweise eine Übertragung von Mähgut von benachbarten, artenreichen Brennen statt. 

Ehemaliger Brennenstandort im Auwald vor und nach der Entbuschung


b)       Monitoring

Der Erfolg der Pflegemaßnahmen auf den Magerrasen wird durch Untersuchungen zu den vorkommenden Pflanzenarten begleitet. Die angelegten Dauerbeobachtungsflächen werden während der Projektlaufzeit mehrmals besucht, um die Entwicklung der Artenvielfalt zu beobachten. Weitere Daten zu Orchideen auf den Magerrasen und zum Kreuzenzian-Ameisenbläuling, einer seltenen Schmetterlingsart, liefern freiwillige Artenkenner.  

Bild vergrößern: Dauerbeobachtungsfläche auf einer wieder hergestellten Brenne © Prestle
Dauerbeobachtungsfläche auf einer wieder hergestellten Brenne


c)       Freiwilligentage

Im Projekt Sonnenleiten werden regelmäßig Pflegetage mit freiwilligen Helfern organisiert. Auf den Donaubrennen und auf den Hängen bei Hütting leisteten Freiwillige bereits viele Stunden Arbeit um den Lebensraum der Arten der Magerrasen dauerhaft zu erhalten. Zuletzt fand im November 2024 eine Aktion am Joshofener Hang statt, bei der Mähgut von der Fläche entfernt wurde. 

Bild vergrößern: Freiwilligentag am Joshofener Hang © Prestele
Freiwilligentag am Joshofener Hang