13.03.2018

Starke Kinder und starke Eltern

GrenzüberschreitungArtner

Auf Einladung des Elternbeirates der Grund- und Mittelschule Ehekirchen nahmen rund 100 Eltern und Lehrer am Gesprächsabend zum Thema "Aufklärung, kindliche Sexualität und stärkende Erziehung" teil. Die Referentinnen Johanna Ehm (li.) und Sabine Wölfel (re.) demonstrierten anschaulich formen der Grenzüberschreitung.

  • Gesundheitsamt und Fachbereich „Hilfe gegen sexuelle Gewalt“ bestärken Eltern in ihrer Erziehungskompetenz


Das Gesundheitsamt und der Fachbereich Hilfe gegen sexuelle Gewalt des Landratsamtes Neuburg-Schrobenhausen waren auf Einladung des Elternbeirates zu Gast in der Grund- und Mittelschule Ehekirchen. Im Mittelpunkt des mit 100 Teilnehmern sehr gut besuchten Gesprächsabends für Eltern und Lehrer standen Informationen zur Aufklärung und zur Prävention von sexueller Gewalt.


Wann ist der richtige Zeitpunkt für Aufklärung? Woran erkennen wir, wenn ein Kind Opfer von sexueller Gewalt wird? Gibt es eindeutige Zeichen? Wie können wir unsere Kinder vor einem Übergriff schützen? Die zahlreichen Eingangsfragen der Eltern und Lehrer verdeutlichten die Unsicherheiten zum Thema. Johanna Ehm vom Gesundheitsamt und Sabine Wölfel von der Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche, Eltern und Familien gingen ausführlich auf die Fragen ein. Dabei zeigten die Referentinnen zunächst die Bandbreite von sexuellen Übergriffen auf. Es sei wichtig, bereits kleinen Grenzverletzungen des Alltags wie „nicht ausreden lassen“, oder „den Weg verstellen“ den Riegel vorzuschieben. Denn das könne bereits ein Versuch sein auszuloten, wie weit man gehen könne. „Kinder können sich nicht selbst schützen und benötigen daher im Elternhaus und in der Schule eine Atmosphäre, in der Beleidigungen und Grenzüberschreitungen körperlicher und verbaler Art nicht geduldet werden“, betont Sabine Wölfel.

 

Mit dem Vortragsabend verdeutlichten die beiden Referentinnen, dass ein Netzwerk zwischen Schule und regionalen Fachstellen wichtig sei, um Kindern in schwierigen Situationen zur Seite zu stehen. „Alle Kinder wissen, wo sie eine Breze kaufen können – wenn sie aber ernsthafte Probleme haben, fühlen sie sich oft alleine gelassen“, so Wölfel. Sie fordert Eltern und Lehrer auf, aufmerksam zuzuhören, wenn Kinder ihnen etwas anvertrauen möchten. „Im Schnitt nehmen betroffene Kinder sieben bis acht Anläufe, um bei Erwachsenen auf offene Ohren zu stoßen“, macht die Beraterin deutlich und fasst zusammen: „Der beste Schutz vor Übergriffen oder sexuellem Missbrauch sind informierte und aufgeklärte Kinder. Sie müssen erleben, dass ihre Gefühle und Bedürfnisse von den Erwachsenen ernst genommen werden damit sie sich trauen, das Thema anzusprechen, Grenzen zu ziehen und sich frühzeitig Hilfe zu holen.“ An die Verantwortung der Erwachsenen appelliert Johanna Ehm: „Starke Kinder brauchen starke Eltern. Wir wollen erreichen, dass Lehrer, Eltern und Fachkräfte sprach- und handlungsfähig werden. Dass sie nicht nur zuhören, sondern hinhören, das Schweigen und Scham überwinden und mit Jungen und Mädchen über Grenzverletzungen und sexuelle Gewalt sprechen können.“


Weitere Vorträge der beiden Referentinnen rund um das Thema „Aufklärung, kindliche Sexualität und eine stärkende Erziehung“ finden für die Eltern der jeweiligen Kindergärten statt am Dienstag, 24. April im Kindergarten Hl. Geist in Mühlried, am Mittwoch, 2. Mai im Kindergarten St. Peter, Schwalbanger Neuburg sowie am Mittwoch, 13. Juni im Kindergarten St. Maximilian in Sandizell.

 

Für niedrigschwellige Beratung und Hilfe für Kinder und Jugendliche gibt es die bundesweite, kostenfreie „Nummer gegen Kummer“ 116111. Hilfe und Beratung vor Ort bietet die Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche, Eltern und Familien des Landratsamtes Neuburg-Schrobenhausen. Ansprechpartnerin ist Sabine Wölfel unter der Telefonnummer 08431/1020. Bei Fragen zur Sexualaufklärung und Prävention oder Anmeldung zu den Vorträgen wendet man sich im Gesundheitsamt Neuburg-Schrobenhausen an Johanna Ehm, Telefon 08431/57508.

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