Naturschutzgebiete

Naturschutzgebiete (NSG) weisen einen besonderen Wert auf. Ziel ist es von staatlicher Seite her bedeutende und gefährdete Biotoptypen zu schützen. Beispiele für solche Typen sind naturnahe Ökosysteme, Biotope bedrohter heimischer Tier- und Pflanzenarten sowie bedeutsame Rast- und Überwinterungsgebiete ziehender und wandernder Tierarten, naturnahe Bachläufe und Flüsse, Stillgewässer, Übergangs- und Hochmoore, Flachmoore, Streu- und sonstige Naßwiesen, extensiv genutzte Wiesentäler, Wildgrasfluren, Trockenwälder und -gebüsche... . Zum Schutz dieser und vieler weiterer Biotope wurden auch bestimmte Verordnungen erlassen, wie z.B. das Verbot von Veränderung und Nutzungsintensivierung in NSG, das Festschreiben von Grünlandnutzung etc.. Von Fall zu Fall können auch Einschränkungen des Betretens (Freizeitaktivitäten, Jagd- und Angelfischerei etc.) erlassen werden.

 

Im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen gibt es insgesamt 6 NSG mit einer Gesamtfläche von ca. 306 ha. Dazu sind noch viele weitere in Planung.

  

Naturschutzgebiet Trockenhänge Leitenberg bei Illdorf

Größe: 12,5 ha

Lage: Das Naturschutzgebiet "Leitenberg bei Illdorf" besteht aus fünf Einzelflächen, die nördlich von Illdorf, Markt Burgheim, liegen.

Entstehung: Die Flächen sind am 1. Okt. 1985 offiziell als Naturschutzgebiet ausgewiesen worden.

 

Bei dem Naturschutzgebiet handelt es sich um vegetationskundlich hochwertige Trockenrasenflächen, zwischen denen entweder aufgeforstete Hangteile, landwirtschaftlich intensiv genutzte Grünflächen oder Straßen- und Siedlungsbereiche liegen. Viele Tier- und Insektenarten finden hier Nahrung und ein Heim. Ziel der Inschutznahme ist es besonders die für den Naturraum"Aindlinger Terassentreppe" seltenen und typischen Trockenrasen zu erhalten, daraus folgernd den notwendigen Lebensraum und die nötige Bodenbeschaffenheit zu sichern, sowie die typische floristische und faunistische Artenvielfalt zu schützen. Deswegen erfolgt auf drei der fünf Teilflächen des Naturschutzgebietes normale und auf zwei Flächen extensive Schafbeweidung. Diese Beweidung garantiert, dass das Aufkommen von Büschen und Bäumen auf den freien Wiesenflächen verhindert wird und somit die lichtbedürftigen und schützenswerten Pflanzen erhalten bleiben.

 

Das Naturschutzgebiet "Leitenberg bei Illdorf" ist größtenteils mit Trockenrasen bewachsen. Hier vermengen sich als vegetationskundliche Besonderheit Arten der Sand- und Kalkmagerrasenarten. Eine Vielzahl stark gefährdeter Pflanzen- und Tierarten haben hier noch Lebensraum. Die Herbst-Drehwurz (Spirantes spirales), in der Roten Liste bedrohter Farn- und Blütenpflanzen in Bayern ist als "stark gefährdet" eingestuft. Sie kommt besonders häufig auf Schafweiden vor, da ihr Vegetationszyklus gut mit der früher üblichen Wanderschäferei zusammenpaßt. Der Austrieb beginnt nämlich Ende Juli - Anfang August, also zu dem Zeitpunkt als die Trockenrasenhänge bereits abgeweidet waren. Der Schafbeweidung des Naturschutzgebietes kommt damit große Bedeutung zu. Ähnlich verhält es sich mit anderen Orchideenarten die im NSG zu finden sind. So zum Beispiel dem Salep-Knabenkraut (Orchis morio), dem Helm-Knabenkraut (Orchis militaris) oder dem Brand-Knabenkraut (Orchis ustulata).

 

Neben anderen nennenswerten Pflanzenarten im Naturschutzgebiet wie dem Frühlings-Enzian (Gentiana verna) oder der Frühlings-Küchenschelle (Pulsatilla vernalis) kommen auch seltene Schmetterlinge und Heuschrecken im NSG vor. Besonders bemerkenswert sind Vorkommen des Kleinen Heidegrashüpfers (Stenobothrus stigmaticus) und des Malvendickkopffalters (Carcharodes alceae).

  

Naturschutzgebiet Finkenstein

Größe: 4,8 ha

Lage: Das Naturschutzgebiet Finkenstein befindet sich westlich von Bittenbrunn

Entstehung: Es ist 1941 entstanden

Besonderes: einziges Vorkommen des Bayrischen Federgrases auf der ganzen Welt

 

Einer der bemerkenswertesten landschaftlichen Punkte in der Umgebung von Neuburg an der Donau ist der Finkenstein von dem man in 60m Höhe eine schöne Aussicht auf das Donautal und seine beiderseitigen Randhöhen genießt. Wandert man von der Neuburger Donaubrücke am linken Ufer flußaufwärts, so gelangt man an den Fuß dieses Juravorsprungs, dessen Felswände unmittelbar zur Talsohle der Donau abfallen. Die Jurahänge setzen sich beiderseits des Finkensteins im nach Süden gerichteten Abfall fort. Sie sind meist weniger schroff und daher mit Laubwald bedeckt.

 

Das Bayerische Federgras (Stipa bavarica), 1848 erstmals erwähnt, gehört zu den größten Seltenheiten der bayerischen Flora. Es kommt weltweit nur in einem Trockenrasen am Finkenstein im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen vor. Dieser Trockenrasen ist durch den Übergang von den westlichen submediteranen Trockenrasen zu dem östlichen kontinentalen Steppenrasen geprägt und weist von beiden Rasentypen charakteristische Merkmale auf. Obwohl das bayrische Federgras auf den ersten Blick anderen Federgrasarten ähnlich sieht, so weist es doch stellenweise ganz eigene Merkmale auf. Man kann das Federgras das ganze Jahr über in kleinen Büscheln sehen. Es erreicht eine Höhe von ca. 70cm. Die sehr langen Blätter sind grau-grün gefärbt, die Grannen werden ca. 40cm lang.

 

Allerdings steht es nicht allzu gut um das Federgras. Es wächst insgesamt bloß auf einer Fläche von etwa 30m² und hat die kritische Populationsgröße unterschritten. Man hofft allerdings durch gezielte Eingriffe die für den Erhalt dieses Lebensraumes typische Gestalt zu erhalten. Besonders wichtig ist es aber auch, daß Erholungssuchende die Absperrungen auf den Finkenstein respektieren, so dass sich die bedrohten Pflanzen und Tiere in Ruhe entwickeln können.

 

Das Federgras ist allerdings nicht die einzige Besonderheit in dem Naturschutzgebiet. Mit offenen Augen kann man auch andere seltene Pflanzen wie den Türkenbund (Lilium martagon), den Frauenschuh (Cypripedium calceolus), die Küchenschelle (Pulsatilla vulgaris) oder den Diptam (Dictamnus albus) entdecken

  

Naturschutzgebiet Donautalwasser Schnödhof

Größe:79,9 ha

Lage: Das Naturschutzgebiet liegt südlich der Bertholdsheimer Staustufe im Markt Rennertshofen und im Markt Burgheim im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen sowie in der Gemeinde Marxheim im Landkreis Donau-Ries.

Entstehung: Obwohl schon 1976 an der Inschutznahme gearbeitet wurde dauerte es dennoch bis zum 1.5.1994 bis das Naturschutzgebiet offiziell ausgewiesen wurde.

 

Mit dem Naturschutzgebiet Altwasser Schnödhof ist eine sehr vielseitige Landschaft in Schutz genommen worden. Das Altwasser ist von vielen unterschiedlichen Lebensräumen umgeben. Diese sind kleine Auwaldbestände, Feuchtwiesen, Halbtrockenrasen Verlandungszonen und dichte Röhrrichtbestände rund um den See. Man kann durchaus von einem typischen, gut ausgebildeten Donaualtwasserbereich sprechen. Auch viele Pflanzen- und Tierarten die in Bayern auf der Roten Liste stehen haben hier ein sicheres Rückzugsgebiet gefunden. Um deren Lebensraum zu sichern, die ursprüngliche Eigenart des Geländes zu bewahren und eine natürliche Entwicklung zu gewährleisten mußten einige Maßnahmen durchgeführt werden. Außerdem mußte die wirtschaftliche Nutzung neu geregelt werden. So ist jegliches Düngen im Naturschutzgebiet untersagt, egal ob es sich um Kunstdünger oder natürlichen Dünger handelt. Auch die jagd- und fischerreiwirtschaftliche Nutzung unterliegen strengen auflagen, da nur dadurch der sichere Fortbestand vieler seltener Brutvögel gewährleistet werden kann.

 

Dass das "Donaualtwasser Schnödhof" etwas ganz besonderes ist beweist auch die Tatsache, dass es Teil einer gesamteuropäischen Donaurettungsaktion ist. Dabei gilt es vor allem die letzten naturnahen Gebiete der Donau in ihrem Artenreichtum und ihrer ursprünglichen Erscheinung für die Zukunft zu erhalten.

 

Insgesamt brühten 13 Vogelarten der Roten Liste bedrohter Arten in Bayern im Naturschutzgebiet. Unter anderem sind hier die Dorngrasmücke (sylvia communis), die Rohrweihe (Circus aeruginosus), die Wiesenweihe (Circus pygargus) oder das Blaukehlchen (Luscinia svecica) zu nennen. Des weiteren findet man hier auch den Pirol (Oriolus oriolus) , einige Kormorane, Reiher, Rohrsänger, ... .

 

Aber auch die Pflanzenwelt in dem kleinen Naturschutzgebiet hat einiges zu bieten. So kann man hier zum Beispiel die Ästige Graslilie (Anthericum ramosum), die 10-60 cm große Große Händelwurz (Gymnadenia conopea) mit ihren rosa-lilafarbenen Blüten oder den wunderschönen Frauenschuh (Cypripedium calceolus), dessen Blüte mit einem Durchmesser von bis zu 8cm zu den zu den größten Blüten der mitteleuropäischen Pflanzen zählt, hier finden.Natürlich gibt es noch jede Menge anderer Orchideen- und Enzianarten die man hier entdecken kann.

  

Naturschutzgebiet Mauerner Höhlen

Größe:7,1 ha

Lage: Das NSG liegt nord-westlich des Dorfes Mauern, in der Gemarkung Mauern im Markt Rennertshofen.

Entstehung: Am 16.11.1979 wurde das Gebiet unter Naturschutz gestellt.

 

Das Naturschutzgebiet "Mauerner Höhlen" erstreckt sich über einen Hügel nord-westlich des Dorfes Mauern. Der Hang ist mit Trockenrasen und einzelnen Sträuchern bedeckt. Die Höhlen liegen am Südhang. Es sind insgesamt vier Höhlen die zum Teil auch miteinander verbunden sind. Diese Kalkmagerhänge sind unersetzliche Flächen für zahlreich gefährdete und vom Aussterben bedrohte Tiere und Pflanzen.

 

Dazu gehören bei den Tieren viele Schmetterlinge (Apollo-Falter), Heuschrecken- (Ödlandschrecke) und Schneckenarten (Gemeine Heideschnecke) sowie bei den Pflanzen Moose und Flechten aber auch Kräuter , Zwergsträucher und Orchideen.

(Erdsegge, Blaugras, Aufrechte Trespe, Kückenschelle, Frühlingsenzian, usw.). Durch den Eingriff des Menschen in den Naturhaushalt werden diese Arten zunehmend gefährdet.

 

Die Höhlen sind durch Gitter abgesperrt, da zum einen Einsturzgefahr besteht und zum anderem das Gitter vor Raubgräberei schützen soll. Denn die Höhlen sind unter Experten weit für ihre heimatkundliche, geologische und ökologische Bedeutung bekannt. So wurden hier in vier Ausgrabungsepochen bedeutende Funde gemacht, die den Wissenschaftlern wichtige Einblicke in das Leben steinzeitlicher Bewohner geben.

 

Neben Überresten einstiger tierischer Bewohner, wie z.B. dem Höhlenbären, der Höhlenhyäne oder dem Höhlenlöwen, fand man hier auch Belege für menschliche Nutzung der Höhlen. Vor allem im Sommer wohnten hier Steinzeitmenschen. Denn dieses Gebiet bot den Menschen reichlich jagdbares Wild. Wenn es nämlich Sommer wurde verließen Rentiere die sumpfigen Täler des Jura, da es dort zu viele Stechmücken gab. Statt dessen zogen sie zu dem damaligen Gletscherrand beim heutigen München. Im Winter wiederum boten die Mittelgebirge guten Schutz. Somit konnte man im Frühjahr und Herbst mit vorbeiziehenden Herden rechnen.

 

Neben weiteren unterschiedlichen Knochenfunden fand man auch Werkzeuge und eine Statue, die Rote von Mauern. Es handelt sich hierbei um eine Kalksteinfigur, die eine sitzende Frau darstellt, allerdings nur recht schematisch.

  

Naturschutzgebiet Kundinger Feld

Größe: ca. 13 ha

Lage: zwischen Kunding und Eschling, Gemeinde Burgheim

Entstehung: am 1.10.1983 als Naturschutzgebiet ausgewiesen

Besonderheiten: Herbst-Drehwurz- und Salep-Knabenkraut-Vorkommen

 

Bei dem Naturschutzgebiet "Kundinger Feld" handelt es sich um einen langgezogenen Trockenrasenhang, der durch einige Gehölzbestände (hauptsächlich Kiefer/Fichte) in lockerer Streuung durchzogen ist. Die Hochfläche zwischen Kunding und Eschling wird von altsteinzeitlichen Plateau-Schottern gebildet. Auf diesen lagern jüngere Lößablagerungen, die Braunerden bilden. Aus den Schottern, welche vermischt mit dem Lößlehm auch die Hänge bedecken, entstanden basenarme und podsolige Braunerden. Um den Lebensraum Trockenrasen zu erhalten und ihn vor Verbuschung und Bewaldung zu bewahren wird er extensiv durch Schafe beweidet.

 

Der Trockenrasenhang Kundinger Feld stellt mit seiner Bodenbeschaffenheit den Übergang vom Jura zum Tertiär dar. Dieser Übergang bedeutet für dieses Gebiet, dass typische Pflanzenarten der jeweiligen Regionen hier gemischt vorzufinden sind. So ist die podsolige Braunerde von einem Wiesenhafer-Rasen bedeckt. Dieser weißt u.a. folgende bemerkenswerte Pflanzenarten auf: den Deutschen Ginster (Genista germanica), die Gewöhnliche Küchenschelle (Pulsatilla vulgaris), das Gemeine Katzenpfötchen (Antennaria dioica), das Hunds-Veilchen (Viola canina), die Gemeine Pechnelke (Lychnis viscaria), die Herbst-Wendelähre (Spiranthes spirales), ... .

 

Je nach der Mächtigkeit der überrutschten Schotter kann man auch eine Durchdringung des Wiesenhafer-Rasens mit dem typischen Schillgergrasrasen erkennen. Dieser letztgenannte entwickelt sich besonders auf den nur schwach mit Hangschutt besiedelten Tertiärböden. An den etremen Südhängen wächst der wärmeliebende Bartgras-Schillergrasrasen. Er bietet im Bereich zwischen Kunding und Eschling botanische wie zum Beispiel den Frühlings-Enzian oder den Eberwurz.

 

Auch die Insektenwelt bietet hier zudem etwas Besonderes. So kann man hier den Kleinen Heidegrashüpfer (Stenobothrus stigmaticus) oder den Ameisenbläuling (Maculinea arion) bewundern.

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