Denkmäler: Last oder Lust?

Die Kreisheimatpflege startet eine Vermittlung von erhaltenswerten Bauten.

Wenn man die bekannt gewordenen, besonders gravierenden Vorkommnisse in der jüngeren Vergangenheit betrachtet, wie den Teilabbruch eines denkmalgeschützten landwirtschaftlichen Anwesens in Grillheim (NR v. 4.3.04) oder die radikale "Entsorgung" eines ortsbildprägenden, alten Bauernhauses in Dezenacker (NR v. 29.12.04), so kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass Denkmäler oftmals nur als unnützes, Geld verschlingendes, im Weg stehendes "altes Glump" gesehen werden.

 

Niemand käme auf die Idee, eine Kirche, ein Schloss oder eine Burg einfach wegzuräumen.

 

Ein Aufschrei der Entrüstung würde überall ertönen und der Verlust des Schönen lauthals beklagt. Aber bei Wohnhäusern oder Nebengebäuden, insbesondere bei landwirtschaftlichen Kleinanwesen, gibt es kaum eine Hemmschwelle. Das führte zu einem nahezu völligen Verschwinden eines ehemals weit verbreiteten ländlichen Haustyps, dem Söldenhaus der kleinbäuerlichen Familien. Mit diesem Untergang veränderten unsere Dörfer ihr Aussehen. Die sichtbare Heimat wurde vielfach eine andere und das sehr oft nicht zu ihrem Vorteil.

  

Ein Leserbriefschreiber (NR vom 31.12.04) beklagte richtig, dass viele alte Häuser "vor sich hin verrotten" und er folgert, dass der "Denkmalschutz nicht schützt sondern vernichtet, dass er im Gegensatz zum Abriss nur länger brauchen würde". Die Schlussfolgerung ist aber nicht richtig.

 

In dem erst 1973 in Kraft getretenen Denkmalschutzgesetz wird der Eigentümer eines Denkmals zum Erhalt und zur Pflege verpflichtet. Erhalt beinhaltet jedoch nicht in erster Linie nur die Sicherung des Bestehenden, sondern im Weiteren auch die Nutzung eines Objekts. Denn nur mit einer Nutzung ist auch der Fortbestand gesichert.

 

Was sind nun eigentlich Denkmäler?

Ein Denkmal muss von Menschen gemacht sein. Es muss aus vergangener Zeit stammen und von geschichtlichem, künstlerischem, städtebaulichem, wissenschaftlichem oder volkskundlichem Wert und sein Erhalt daher von öffentlichem Interesse sein. Die Baudenkmäler sollen in die sogenannte "Denkmalliste" des Landesamtes für Denkmalpflege eingetragen sein. Aber auch wenn die Eintragung in diese Liste nicht erfolgte, kann ein Bauwerk ein Denkmal sein, wenn es nur die erwähnten Eigenschaften besitzt.

 

Baudenkmäler sollen - wenn möglich - in ihrer ursprünglichen Funktion genutzt werden.

Eine Umnutzung kann in vielen Fallen nicht umgangen werden. Dann soll aber das Bauwerk in seiner neuen Funktion so genutzt werden, dass es möglichst wenig verändert wird. Ein Wohnhaus sollte im Idealfall also ein Wohnhaus, ein Wirtshaus ein Gastronomiebetrieb oder eine Scheune ein Lager bleiben.

 

Lässt sich ein Baudenkmal an seinem Standort nicht erhalten und wird in ein Museum übersetzt, dann verliert es den Denkmalcharakter. Es wird zum Ausstellungsstück. Eine Translozierung ist also keine denkmalpflegerische Maßnahme sondern allenfalls eine Rettung. Ebenso wenig bleibt es ein Denkmal, wenn es abgerissen und nach alten Plänen neu errichtet wird. Das Denkmal muss möglichst in seinem ursprünglichen Zustand an seinem Ort erhalten bleiben und Zeugnis von der Vergangenheit geben. Notwendige eparaturen dürfen nur mit traditionellen Handwerksmethoden durchgeführt werden, dabei sollen nur ursprüngliche Materialien verwendet werden. Ein Kalkputz kann daher nicht durch einen Zementputz, eine Holzdecke nicht durch eine Betondecke ausgetauscht werden.

 

Söldenanwesen Bonsal um 1900 und heute

Söldenanwesen Bonsal ca. 1900 und jetzt

 

Einer Modernisierung in der Ausstattung steht aber nichts entgegen. Der Abtritt auf dem Misthaufen muss nicht mehr errichtet werden! Ordentliche Sanitäreinrichtungen, elektrisches Licht, zeitgemäße Heizung und was der Komfort heute noch fordert sind auch in einem denkmalgeschützten Gebäude selbstverständlich.

Vielfach herrscht die irrige Meinung vor, dass die Instandsetzung eines Denkmals unverhältnismäßige Kosten verursachen würde. Das ist nicht in jedem Fall gegeben.

Es ist jedoch so, dass der Rohbau bereits vorhanden ist und nur die Kosten für die Renovierung anfallen. Sollten aber doch sehr große denkmalpflegerische Maßnahmen notwendig werden, dann können im Einzelfall auch Zuschüsse gewährt werden.

In jedem Fall aber können die Instandsetzungskosten bei einem Denkmal steuerlich in voller Höhe auf zehn Jahre angesetzt werden. Das stellt eine wesentliche staatliche Förderung dar, die bei einem Neubau nicht gegeben ist. Vergleicht man nun bei einem Neubau die Kosten für den Abriss des alten Gebäudes, die heute zwingend geforderte Entsorgung des Abbruchmaterials und die Finanzierung für den Neubau mit den Renovierungskosten eines Denkmals mit staatlicher Förderung, dann ist die Renovierung des Letzteren oftmals die kostengünstigere Alternative. Ganz entscheidend ist dabei, dass das alte Gebäude meistens auch noch einen durch Nichts zu ersetzenden Charme nach außen und im Innern ausstrahlt, den der Neubau niemals bieten kann. Gelungene Beispiele für die Wiederbelebung ehemaliger Söldenanwesen zeigen die zwei Gegenüberstellungen von Einst und Jetzt aus Bonsal und Bittenbrunn.

 

Damit die ursprüngliche Baukultur nicht gänzlich aus unserer Landschaft unwiederbringlich verschwindet, wird ein Vermittlungsdienst für denkmalgeschützte und sonstige erhaltenswerte Häuser in unserem Landkreis eingerichtet. Eigentümer, die sich von der nicht mehr genutzten und zur Belastung gewordenen alten Bausubstanz trennen wollen, können damit eine kostenfreie Vermittlung erhalten. Diese Häuser sind für Liebhaber auf der Homepage des Landratsamtes unter www.denkmalkauf.de zu finden.

 

Bittenbrunn Hüldernweg ? heute und ca. 1910

Bittenbrunn Hüldernweg - heute und ca. 1910

Info:

 

Landratsamt Neuburg-Schrobenhausen,

Sachgebiet Denkmalschutz,

Frau Nieser,

Tel.: 08431 57-257

Fax: 08431 61052

eMail: christa.nieser@lra-nd-sob.de

 

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