Der Jugendkreistag rollt
- Filmprojekt des Jugendkreises zur Barrierefreiheit. Wie sich Rollstuhlfahrer im öffentlichen Raum schwertun
Das Thema Barrierefreiheit stand bei den Mitgliedern des Jugendkreistages seit 2023 immer wieder im Fokus. Denn die Jugendlichen sehen Handlungsbedarf – aber wie? Und warum? Und wie fühlt es sich eigentlich an, selbst im Rollstuhl zu sitzen? Um Antworten auf diese Fragen zu bekommen, haben es die Jugendlichen mit Unterstützung der Sophie-Scholl-Schule (AWO) ausprobiert und einen Film gedreht.
Es war ein wirklich heißer Sommertag, an dem sich die Mitglieder des Jugendkreistages und der AWO in Neuburg vor dem Landratsamt trafen. Im Vorfeld wurden Getränke, kleine Snacks und natürlich die Rollstühle organisiert, die das Sanitätshaus Archinger zur Verfügung stellte. Das Projekt sollte, den Außentemperaturen zum Trotz, cool werden. Ziel des Ganzen: Wie ist es im Rollstuhl zu sitzen? Und wie kommt man im Straßenverkehr damit zurecht?
Bereits 2023 stand das Thema Barrierefreiheit auf der Tagesordnung einer Sitzung. Dabei bezieht sich Barrierefreiheit nicht ausschließlich aufs Rollstuhlfahren: Das allgemeine Lebensumfeld soll für alle Menschen ohne fremde Hilfe frei zugänglich und zu bewältigen sein. Menschen mit und ohne Behinderung jeglicher Art sollen die gleichen Möglichkeiten und Chancen haben. Dass das in der Realität nicht immer der Fall ist, wussten die Jugendlichen, allerdings fehlte ihnen der Einblick und direkte Austausch mit Betroffenen.
So kam es, dass sich Simon Pohlner und Marie Kempter von der Sophie-SchollSchule bereit erklärt hatten, dem Jugendkreistag zu zeigen, wie sicher und flink man sich mit einem Rollstuhl bewegen kann. Einige der Filmdarstellerinnen und -darsteller, beteiligt waren Viktoria Redl, Lukas Schorer, Carla Heßlinger, Lilli Gehl und Florian Angermayer, kamen dabei an ihre Grenzen: Nicht nur die Hitze machte ihnen zu schaffen. Die Fortbewegung im Rollstuhl war körperlich anstrengend und erforderte ordentlich Muskelkraft, vor allem in den Armen und Händen. Nach den Übungsrunden ging es zum Jugendzentrum Neuburg, dass mit einem Rollstuhl nicht befahrbar ist. Schon am Eingang stellt eine Treppe ein unüberwindbares Hindernis dar. Jugendliche, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind, können also definitiv nicht an Aktivitäten im JuZe teilnehmen. Weiter ging es in die Stadt und bei der Überquerung eines Zebrastreifens kam eine der Jugendlichen ohne Unterstützung nicht voran. Autos mussten anhalten und Hilfe von außen musste her. Sie wäre in dieser Situation alleine wohl aufgeschmissen gewesen. Auch das Aufsuchen einer Behindertentoilette in der Altstadt von Neuburg gestaltete sich schwieriger als gedacht. Das Öffnen der Türen stellte sich beim Zugang als große Herausforderung dar.
Fazit: Die Jugendkreistagsmitglieder konnten sich für ein paar Stunden in das Leben von Menschen mit Rollstuhl hineinversetzen. Sie waren beeindruckt von der körperlichen Stärke, die man benötigt, um sich damit im öffentlichen Raum fortbewegen zu können. Gleichzeitig sahen sie weiteren Handlungsbedarf, sich mit dem Thema Barrierefreiheit intensiver zu beschäftigen. Es soll weiter im Jugendkreistag behandelt werden.
Das Filmprojekt „Der Jugendkreistag rollt“ findet auf der Homepage des Landratsamtes unter https://neuburg-schrobenhausen.de/Verwaltung-und-Politik/Jugendkreistag.